Farben

Farben und Formen gehören zusammen, bilden eine Einheit.

Allerdings gibt es Schwerpunkte. Bei mir ist es die Farbe.

Die Wahrnehmung über das Auge zur Verarbeitung im Gehirn ist sicher ein Kind des Augenblicks. Und der kann sehr intellektuell sein. Bei mir spielt in der Malerei das Gefühl eine große Rolle.

Die Erfassung des Objektes in der Natur dient als Ausgangspunkt. Hier findet ein Festhalten statt, was für den Beginn sehr wichtig ist. Aber schon bald danach löst sich die Tätigkeit vom Intellekt, sie erfolgt nicht mehr rational, sondern „ aus dem Bauch heraus“. Das malt dann von selber und hört auch von selber auf. Das sollte dann stimmen. Es lässt sich nicht verbessern, sondern nur ablehnen.

Und dabei spielt sicher die Farbe die größere Rolle. Aber auch Formen sind beteiligt. Strukturen prägen das Bild mit.

Die Farbe aber dringt in die Tiefe des menschlichen Bewusstseins.

Beim Malen, aber genauso beim Betrachten.

Um mit Kandinsky zu sprechen:“So ist es klar, dass die Farbharmonie nur auf dem Prinzip der zweckmäßigen Berührung der menschlichen Seele beruht“.1

Und Goethe sagt dazu: „ Die Farbe tut etwas“.1

Sie berührt als das menschliche Unterbewusstsein und führt zu Empfindlichkeiten, die auch therapeutisch wirksam werden können.

Nun zu meiner Malweise:

Ich aquarelliere und dabei führt das Aquarell zum Verlaufen von Formen und Farben, auch ungewollt.

Es entsteht oft ein Ergebnis, dass nicht „programmierbar“ ist.

Es ist oft durchsichtig, das Weiß des Malgrundes spielt eine große Rolle.

Das Ergebnis ist im höchsten Maße „malerisch“.

Für mich geeignet zum raschen, spontanen und auch Gefühls betonten Aufnehmen aller visuellen und auch psychologischen Elemente.  

Die Form ist zwar beteiligt, aber untergeordnet.

Dazu Emil Nolde:“ Wenn ich die Farben zu vollen Akkorden steigere, schien anderen bisweilen die Form entschwunden, sie ist immer da, aber tief liegend“.1


Literatur:

1 Koschatzky: Die Kunst des Aquarells, dtv München  1985


Klaus-Jürgen Wittig 2009