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Aquarelle in kräftigen Farben, minimalistisch, mit intuitiven Pinselstrichen gestaltet zeigt Klaus-Jürgen Wittig, Ingenieur und Künstler aus Brixen, der zeitweilig auch in Berlin lebt in der Galerie 90 in Mühlbach
Die Eröffnung fand am Donnerstag, den 8.Mai unter dem Motto:  „Berg*Welten- impressioni montane“ statt.
Dazu sprachen Grußworte Dr. Franz Gruber, Bürgermeister von Mühlbach und Egon Daporta vom Verein Galerie 90, der die Ausstellungssaison 2008 eröffnete.
Dr. Marjan Cescutti, Präsident des Südtiroler Kulturinstitutes, zeichnet den Lebensweg von Klaus-Jürgen Wittig. Geboren in Berlin, aufgewachsen in Dresden, seit 1965 ansässig in Brixen. Ingenieur, Qualitätsleiter, Unternehmensberater.
Und nebenbei als Künstler tätig. Eine dreifache Ausbildung. Als Techniker, als Wirtschaftler und als Maler. Parallel durchgeführt und seit Jahrzehnten gepflegt.
Erst lag der Schwerpunkt auf der Technik und dem Management, jetzt auf der Kunst.
Wittig publiziert sein Wissen und seine Erkenntnisse seit Jahren- auch auf dem Gebiet der Südtiroler Landeskunde.
Er illustrierte Prosa und Reiseschilderungen von Traudl Oberrauch-Wittig in der Tageszeitung „Dolomiten“ und anderen Periodika.
In den letzten  Jahren verstärkte Ausstellungstätigkeit, auch im Ausland. Zusammenschluss mit anderen Künstlern zur Gruppe „Handwerker der Farbe“ 2007 in Berlin.
Alex Pergher, bekannter Künstler und Leiter der Galerie 90 skizzierte die Bilder. Bergwanderungen als Fundament, präzises Schauen, Liebe zur Natur, Interpretation und Reduktion.
Leuchtende Farben und ein kräftiger Pinselstrich als Charakteristikum.
Frei gestaltet und intuitiv empfunden.
Klaus-Jürgen Wittig ging kurz auf seine Bergbilder ein und sagte u. a.:
“Der Berg dominiert. Die Form tritt zurück, Farben beherrscht das Bild. Kräftige Farben. So sind die Berge in meinem Kopf. So bringe ich sie auf das Papier. Es fällt mir oft schwer, dafür einen Titel zu finden. Man findet den Berg nicht wieder. Vielleicht noch seine Charakteristika. Aber meistens nicht einmal das. Berge in Farben. Der Ausdruck von Erlebtem, vom Transformierten“.
Umrahmt wurde die Eröffnung von Luca Masiello Gesang, Massimo Zaccari Gitarre und Marzio Ugolini Saxophon.
Die Ausstellung ist noch bis zum Sonntag, 25. Mai in der Zeit von 10:00-12:00 Uhr und 17:30-20:00 Uhr außer Montags geöffnet. (db)

Dr. Marjan Cescutti: Ausstellungseröffnung Klaus-Jürgen Wittig, Berg*Welten- Impressioni montane. Galerie 90 Mühlbach, 8.5.2008
Gerne habe ich die Aufgabe übernommen, hier zur Eröffnung dieser Ausstellung, ein paar Worte der Einführung zu sprechen, bin ich doch Jürgen Wittig seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden und daher habe ich seinen Weg als Zeichner und Maler mit Anteilnahme und Interesse verfolgt. Ich will jetzt nicht sein Leben, seine Biografie schildern, die ja den meisten der hier Anwesenden zumindest in groben Zügen bekannt sein dürfte. Es ist aber doch aufschlussreich zu betrachten, wie parallel und sich ergänzend seine berufliche bzw. seine künstlerische Ausbildung erfolgt.  
Ende der 50er Jahre schließt er das Studium der Werkstofftechnik in Chemnitz ab, nimmt gleichzeitig Zeichenunterricht bei Prof. Bammes Kunstakademie Dresden. Anschließend arbeitet er   als Qualitätsmanager in bekannten Unternehmen, zuletzt bei der Fa. Durst in Brixen.
In  geradezu stürmischen Ausbildungswellen verbessert er seine berufliche und künstlerische Qualifikation, indem er über mehrjähriges Fernstudium Diplome in Betriebswirtschaft und Design erwirbt.
In den 70er Jahren entstehen Publikationen auf den Gebieten von Technik und Management und wohl auf Anregung seiner Frau Traudl Oberrauch-Wittig und seines Schwiegervaters Luis Oberrauch Publikationen auf dem Gebiet der Landeskunde. Ich erwähne nur zwei, eine hervorragende Arbeit über den in Südtirol angesiedelten Roma von Carl Zuckmayer: „Salvare oder die Magdalena von Bozen“ (gemeinsam mit Traudl Oberrauch-Wittig) oder jüngst im „Schlern“ eine Genealogie der Familie des Schwiegervaters Luis Oberrauch- Gries.
Für seinen künstlerischen Weg bedeutend ist der Malunterricht bei diversen Malern und der Besuch der Kunstkurse im Kloster Geras im Waldviertel.
Bedeutsam für ihn als Maler sind sicher die zahlreichen Wanderungen, die ihn mit Traudl durch die schönen (-und damals noch unzerstörten) Landschaften Südtirols führen. Denn gerade die Landschaft und die Berge sollten ein wichtiges Sujet für seine Bilder werden (Berg-Welten).
Eine besondere Stärke Traudls waren die Reiseschilderungen, die sie in verschiedenen Zeitschriften, aber auch als Privatdrucke veröffentlichte. Ich erinnere mich noch genau, wie Jürgen begann, dazu Illustrationen zu schaffen, die sich bald zu den kleinformatigen Bildern verselbständigten. Bei diesen Bildern stand das grafische Element im Vordergrund, es waren scheinbar rasch hingeworfene Skizzen, in unruhiger, wenn auch starker Linienführung mit zurückhaltender Farbgebung. Der Zweck war ja schließlich die Illustration des Geschilderten, - die Zeichnung, das Bild im Dienste des Textes.
Doch allmählich setzte eine Entwicklung ein, bei der das grafische Element nun stärker in den Hintergrund tritt, als würde Jürgen die netzhaften (graphischen)Strukturen Schritt für Schritt abwerfen und gewissermaßen zur Freiheit der Farbphänomene gelangen.
Eine interessante Zwischenstation  auf diesem Weg sehe ich in den großformatigen Blumenbildern, die auf dem Freigelände der Fa. Durst in Brixen ausgestellt waren. Die Farbe gewinnt in freier Führung ihr Eigengewicht und wird zum leuchtenden Ausdruck des Lichtes.
Im Jahre 2007 hat Jürgen gemeinsam mit anderen Künstlern die Gruppe „Handwerker der Farbe“ gegründet. Nach ihrer eigenen Aussage ist ihnen gemeinsam, dass sie unabhängig von den Materialien im Sinne Emil Noldes „aus der Farbe die Form“ bilden. Die Wiederentdeckung der Farbe als zentrales Mittel der bildenden Kunst ist ihnen- wie sie schreiben- Hauptaufgabe und Herausforderung- und so entstehen in Jürgens neuesten Bildern farbige Flächenspiele, bei denen sich Körper und Form zunehmend in Luft- und Lichträumen auflösen; ohne dass sich das zugrunde liegende Landschaftsmotiv völlig in Abstraktion verflüchtigt. In lockeren, leichten Pinselstrichen entstehen spontan wirkende  Momentaufnahmen, bei denen die expressive Naturbegeisterung Jürgens deutlich sichtbar wird.
Die Aquarelltechnik macht es ja notwendig, Licht und Farbe rasch zu fixieren, da keine Korrektur mehr möglich ist. Sie ist für Jürgen gleichsam Absprungbrett für eine interessante Auseinandersetzung mit der Farbe.
Ich wünsche, dass die glühenden Farbakkorde in Jürgens Bildern viele Betrachter begeistern und wünsche ihm von Herzen  viel Freude und viel Erfolg auf seinem künstlerischen Weg.

Gotthard Krupp: Ausstellung „Farbspuren“ Berlin 08.11.08- 28.01.09
Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freunde,
zunächst herzlichen Dank, dass Ihr zu dieser besonderen Eröffnung  gekommen seid. Dank auch an die Kanzlei Quegwer und Thein, die wieder einmal ihre wunderschönen Räume für diese Ausstellung zur Verfügung stellen und hier einen großen Beitrag an der Eröffnung tragen. Einen besonderen Dank an Gerrit Wedel, der immer wieder der eigentliche Organisator dieser Ausstellung ist und gestern mit beim Aufbau mitgewirkt hat.
Einige werden sich erinnern, vor einem Jahr haben wir die Eröffnung mit Bildern von Rita Lottenbach aus der Schweiz hier gehabt. Nun mit einem Maler aus Südtirol, Klaus Jürgen Wittig. Er pendelt zwischen Berlin und Brixen. Mit Rita und mir bildet er die Künstlergruppe Handwerker der Farbe.
Als wir im letzten Jahr zu dritt eine Ausstellung in der Schweiz gemacht haben, waren wir sehr unsicher, ob unsere Bilder zusammen passen, ist doch die Technik sehr unterschiedlich. Es war ein mutiger Schritt zu behaupten, egal ob Aquarell, Guasche oder Öl, die Bilder werden sich ergänzen, und wenn, dann in eine produktive Konkurrenz treten.... Wir waren dann damals sehr überrascht, wie gut die Bilder zusammenpassen. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern wie die Bearbeitung der Farben, welchen Platz und welche Bedeutung man ihnen gibt.
Nun sicherlich gibt es Unterschiede zwischen uns Jürgen und mir. Und das ist nicht nur die Tatsache, das er in Aquarell und ich in Öl male. Jeder, der meine Bilder und mich kennt, weiß inzwischen, dass sich bei mir aus der Farbe die Form bildet. Bilder bei mir haben sehr viel mit Zufall zu tun, obwohl ihnen gedankliche Überlegungen vorausgehen...
Die Arbeit beginnt mit der Definition der Farben und hat dann mit einem längeren oder auch kürzeren Malprozess zu tun. Mit Farbe und ihren neuen Kombinationsmöglichkeiten zu arbeiten, um zu versuchen  unfassbares zu fassen zu bekommen, Flüchtiges festzuhalten. Selbstverständlich spielt dann die Form am Schluss auch eine große Rolle. Selbst wenn sie manchmal fast völlig verschwindet. Der Begriff der Farblandschaft zu der sich die Komposition des Bildes verdichtet drückt das aus. Aber, und das möchte ich dann doch noch einmal betonen, der Ausgangspunkt ist immer die Farbe. Ihr könnt das selber überprüfen, in dieser Ausstellung überprüfen, ich habe hier fast nur neue Bilder zusammengetragen, die bis auf wenige Ausnahmen noch nie ausgestellt waren.
Das ist bei Klaus Jürgen Wittig anders.
Ich habe ältere Bilder von Klaus- Jürgen in diesem Jahr gesehen und ich verrate kein Geheimnis, dass die Form bei ihm der Ausgangspunkt der Malerei war. Er geht bis heute von realen Bergen und Landschaften, bzw. von Gebäuden in Berlin, wie das Sony Center oder den Potsdamer Platz aus. Aber er malt aus dem Gesehenen Bilder, die keine einfachen Abbilder des Gesehenen darstellen.
Die Farben erobern sich aus der Form hervorgehend nach und nach ihren Platz in dem Bild, und werden bestimmend für die Form.
Dadurch entsteht eine neue Lebendigkeit und Sichtweise. Darüber was der Potsdamer Platz aussagt in seiner Atmosphäre, die widersprüchlichsten Empfindungen, die der Platz bewirkt. Auf dem Potsdamer Platz ist kein Blau und Rot in dieser Form, oder auch das Orange zu finden. Und so wird es zum eigenständigen Bild, dessen Bedeutung weit über das Abbild reicht. Aus den festen massiven steinernen Gebäuden wird etwas flüchtiges, zerbrechliches, etwas ambivalentes.  
Aus realen Landschaften werden Farblandschaften, die Empfindungen freisetzen und einen eigenen Blick auf die Welt zu lassen.
In so fern möchte ich feststellen, dass dies die dritte Ausstellung der Künstlergruppe Handwerker der Farbe ist, und es zeigt sich, dass unsere Künstlergruppe nicht eine absurde Idee war, sondern inzwischen eine Kontinuität entwickelt hat und bekommen wird.
Im nächsten Jahr planen wir alle drei im September eine Ausstellung  in Brixen, in einer Engelsburg aus dem 11. Jahrhundert. Es ist ein fantastischer Ort und ein steinernes unverputztes historische Gebäude mit einem massiven großen  runden Raum. Einen solchen Raum zu gestalten ist eine echte Herausforderung.  Das große Tryptichon ist ein erster Versuch dafür.... Wir werden die Woche auch mit Veranstaltungen dort verbinden und Landschaftlich ist es auch eine wunderbare Gegend ... Der Papst urlaubt auch dort...  Alle herzlich eingeladen uns dort zu besuchen. Aber jetzt erst einmal viel Spaß bei dieser Ausstellung... ich übergebe an den zu entdeckenden Künstler Klaus- Jürgen.

Farb Zeit Räume 26.09.-01.10.09 Engelsburg, Kloster Neustift, Brixen, Südtirol
Eine Künstlerin und drei Künstler haben sich zusammen getan, um gemeinsam hier diese Ausstellung zu gestalten. Sie haben sich so zu sagen auf halbem Wege getroffen. Die Künstlerin, Laura Facchinelli, Venezianerin, zwei Künstler aus Berlin, Gotthard Krupp und Bülent Alev, und Klaus-Jürgen Wittig, der zwischen Brixen und Berlin pendelt.
Was sie in ihren Bildern verbindet ist die Bedeutung, die sie der Farbe beimessen.
Ein Hinweis dazu gibt und schon der Titel der Ausstellung, aber auch der Name ihrer Künstlergruppe „Handwerker der Farbe“ weist darauf hin.
Wie sie sich selbst beschreiben, sollen Stimmungen und Inhalte der Bilder durch die lebendige Farbe ausgedrückt werden.
Einig sind sie sich auch darin, dass wir als Rezipienten ihrer Bilder, in Zeiten totaler Reizüberflutung, hauptsächlich durch Bildschirme aller Art, wieder zu ruhigeren Sehgewohnheiten zurückkehren sollten.
Handwerker der Farbe- lebendige Farbe... Hier wird bewusst und manuell mit der Farbe gearbeitet. Bewusst im Sinne von Farblehren, die es seit Jahrhunderten gibt... Philosophen und Naturwissenschaftler wie Aristoteles, Descartes und Newton, aber auch Dichter wie Goethe haben sich mit der Farbe beschäftigt und sie versucht zu systematisieren.
Malerinnen und Maler nutzen diese Studien, um sich auszudrücken, dem Betrachter etwas zu simulieren.
Als „lebendig“ interpretiere ich den unmittelbaren Auftrag der Farbe, der sich mir plastisch darstellt, den ich „begreifen“ kann, im im wahren Sinn, im Gegensatz zum Bildschirm, der keine Struktur kennt.
Für eine Malerin, einen Maler ist die Farbe die leuchtende Substanz auf der Palette und als guter Handwerker werden sie versuchen, sie in ihrem Sinne einzusetzen.

Laura Facchinelli, als Venezianerin die Schönheit des meeres ständig vor Augen und so gewöhnt, liebt die Berge und verbringt viel Freizeit hier in Südtirol.
Die Erinnerungen dieser Besuche nimmt sie dann mit in ihr Atelier, durchlebt sie erneut im Geiste und versucht nun die subjektiven Gefühle auf die Leinwand zu bringen.
Weicher sind sie geworden, die berge, die Zuneigung hat sie vermenschlicht, aus den schroffen Konturen und rauen Oberflächen wurden weiche körperähnliche Gebilde, die sich lückenlos aneinander schmiegen, unzertrennlich zusammengewachsen sind.
Sie wirken geheimnisvoll, der geist schweift ab..
Das Monumentale der berge wirkt reduziert.. Sie verwendet gedämpfte Farben, nur der Himmel, die Schöpfung, das Göttliche erscheinen zuweilen leuchtend.
Das Ergebnis der Symbiose des Erlebten mit der Person Laura Facchinelli zeigt sich, so wie ich meine, bewusst weiblich und symbolisch.

Ganz anders geht Klaus-Jürgen Wittig mit den Eindrücken der Bergwelt, aber auch mit anderen Landschaften und Stadtmotiven um.
Leichtfüßig in zerlaufenden, gespritzten Aquarellen kommen sie daher, in klaren fröhlichen Farben, kein bisschen mystisch, sehr abstrakt.
Die Titel weisen uns den Weg, aber braucht es sie überhaupt?
Der Auflösungsprozess der Formen ist schon so weit fortgeschritten, dass man sich als Betrachter schoneigenen Interpretationen hingeben kann.
Der Schritt hin zur totalen Abstraktion scheint mir nicht mehr weit.

Wieder aus einem anderen Ansatz herausarbeitet Gotthard Krupp.
Über den ästhetischen Aspekt hinaus, möchte er dem Betrachter mit seinen Bildern ein Werkzeug in die Hand geben, mit dem jeder seine persönliche Erfahrung machen kann, da ja auch jeder mit anderen Voraussetzungen auf das Bild trifft, jeder mit seinen Erfahrungen und Sichtweisen.
Er schreibt selber:“ Jedes Bild hat das recht auf eigenständige Interpretation durch den Betrachter.“
Auch gesellschaftspolitisch möchte er Anstöße geben, wobei er betont, dass sich das Wort dafür besser eigne, als das Bild.
Motive findet man,...wie im Nebel .. War da nicht Don Quichotte, der Ritter der traurigen Gestalt, dem die Wirklichkeit gar nichts war, dafür aber der Traum, ... aber schon im nächsten Moment scheinen sie sich aufzulösen und man ist sich ihrer vorherigen Existenz gar nicht mehr so sicher...
So sucht man immer.
Die Bilder lassen durch ihre Machart viele Assoziationen zu ... versuchen sie es einmal.

Nun zu Bülen Alev, der türkischer Abstammung ist, aber bereits seit fast 30 Jahren in Deutschland lebt. Dieser Umstand ist irgendwie zum Thema geworden, was ich gut nachvollziehen kann, da ich vor 25 Jahren aus meinem gewohnten Kulturkreis Berlin, hier nach Südtirol gezogen bin... und noch stets kämpfe.
Worum geht’s?
Man Startet aus der Sicherheit in die Fremde und merkt, wie man sich selbst immer fremder wird, man ist verunsichert, kommt nie richtig an. Man ist immer auf halbem Wege, ist nicht Fisch und nicht Fleisch, will und kann vieles nicht ablegen, die Identität nicht aufgeben, will sich aber anpassen, einfügen und möchte auch an dem neuen Ort gelassen und glücklich sein.
Er möchte, ich zitiere:“... bei der Befreiung aus der eigenen Geschichte Wurzeln tragen, aber unabhängig bleiben, ....in zwei Welten, zwei Kulturen leben, eine Balance finden, ohne die Wurzeln zu kappen, aber sich auch nicht fesseln lassen.“
Das ist eine Gratwanderung, die sich, wie ich finde, in den vielen unterschiedlichen Bildern niederschlägt.
Seine Bilder sind nicht abstrakt, wenn sie auch auf den Betrachter so wirken mögen. Sie entstammen immer einen konkreten Situation, Gestalt oder Erfahrung, sowohl aus seiner Heimat als auch seiner Wahlheimat, deren Ausstrahlung der Betrachter spüren und mit eigenen Empfindungen verbinden kann. Dennoch erzählt er keine Geschichten. Für ihn ist die Kunst die Sprache des Unaussprechlichen.
Er sagt es so:“ Das Papier wird der Schauplatz der Dinge..“
Steht seine Person im Einklang mit dem Bild, so ist das Bild fertig.
Zum Abschluss noch ein kurzes Zitat aus einer Website über Farbsysteme in der Kunst, was ich speziell zu dieser Ausstellung sehr passend finde:“ Die Wirklichkeit ist zwar voller Farben, aber der Farben gibt es in der Wirklichkeit nicht. Die Farben, die wir sehen, hängen zwar vom Licht ab, das durch die äußere Welt in unsere Augen gelenkt wird, doch Wahrnehmungen wie Rot oder Grün entstehen erst tief im Inneren des Gehirns.
Farben sind also nicht „Taten des Lichts“, wie Goethe es genannt hat, Farben sind auch Taten des Ichs. Wir schmücken mit ihnen die Welt und wir tun dies für uns“.

Marlies Lüdtke

 

Farb Zeit Räume

Vom 26. September bis zum 1. Oktober 2009 beherbergte die Engelsburg in Neustift, Brixen, Südtirol eine Kunstausstellung der Künstlergruppe „Handwerker der Farbe“ aus der Schweiz, Italien und Deutschland.
Der Titel Farb Zeit Räume steht für ein Konzept, das sich aus drei Elementen zusammensetzt und daraus eine neue Einheit bilden soll. Zum einen geht es um die „Farbe”, die in  den Bildern der Künstler eine zentrale Rolle spielt.
In den Bildern von Gotthart Krupp wechselt die Farbgebung von ruhigen, besinnlichen Blautönen über zu aggressivem Rot, das explosionsartig nach Art der Action Painting die Leinwand dominiert. Er selbst sagt dazu:  „Viele meiner Bilder, in denen Reales mehr angedeutet wird, sind durchsetzt von expressiven Elementen, Figuren, Köpfen oder maskenartigen Gesichtern, eingebunden in Räume oder in eine landschaftliche Gestaltung. In manchen explodiert die Erfahrung der Zerstörung, Gewalt und Unterdrückung, die in das Bewusstsein der Menschen eingekerbt sind. Damit kontrastieren Ruhe, Besinnung, getragen von Zukunftshoffnung.“
Bei Klaus Jürgen Wittig (dem, in Brixen lebenden Berliner) ist die Farbe in den Aquarellen der Ausdruck von bejahender Lebensfreude und Leichtigkeit. In seinen  Bildern  unterstreichen weiche Farben die Impression einer landschaftlichen Momentaufnahme in ihrer magischen Flüchtigkeit.
In den Bildern von Laura Facchinelli aus Venedig verleiht die Farbe den schroffen Felsgebilden eine monumentale Plastizität. Die Künstlerin malt vorrangig figurative Ölbilder, vor allem Landschaften, Figuren und Porträts.
Bei  Bülent Alev aus Berlin steht die Farbe wiederum für eine evokative Stimmung und basiert auf einer poetisch schöpferischen Verarbeitung von Lebenserfahrungen. Es gelingt dem Künstler mit wenigen Farben, eine Stimmung im Raum zu erzeugen, die  auch ohne zusätzliche Interpretationen auskommt.
Soviel zum Thema Farbe. Und was hat die Zeit damit zu tun? Die Zeit geistert sozusagen durch die Räume der Engelsburg. Die Künstler dachten dabei an den Dichter und Sänger Oswald von Wolkenstein, der wohl hier im Kloster zur Schule gegangen ist. Kloster Neustift mit der Engelsburg aus dem 12. Jahrhundert, hat die Jahrhunderte überdauert und symbolisiert mit seinen romanischen Gemäuern ein Stück europäischer Religions- und Geistesgeschichte.
Und schließlich der Raum.  Gerade die mittelalterliche Engelsburg mit ihren rauen, unverputzten Mauern und den ausgetretenen Steinstufen, die nach oben in die zentral gelegene Kapelle führen, geht mit der modernen, abstrakten Malerei eine Verbindung der besonderen Art ein und eignet sich mit ihrer klösterlich-meditativen Aura  hervorragend zu einer spannenden Konfrontation zwischen zeitgenössischer Malerei und imposanter romanischer Architektur.
       
Dr. Christine Mathà